Wichtige Orte: Greifswald - Bergholz-Rehbrücke - Stiege und Gernrode im Harz - Storkow - Potsdam - Berlin - Lubmin - Berlin - Ranzin - Hamburg und viele, viele mehr - und immer wieder Greifswald als Lebensmittelpunkt seit 1978. Hier etliche Umzüge im Zusammenhang mit wechselnder Familiengröße, jedoch unverändert glücklich verheiratet mit einer gebürtigen Thüringerin, Geburt zweier längst erwachsener Töchter und Großvater eines Enkelsohnes …

 

Auf den Spuren von Musik im Herzen:

Klavierunterricht seit Schulbeginn, zunächst überwiegend widerwillig. Im Schulchor sang ich jedoch gern (klasse Chorleiter!). Nach Pause und Lehrerwechsel wuchs das Interesse und steigerte sich in der Adoleszenz bis zur Begeisterung. Mit Beginn der ersten Berufsausbildung (Lokomotivschlosser/Abitur – ja, ich träumte einst wie viele kleine Jungs vom Klang und Duft und Weite eines Lebens als Lokführer!) Orgel- und Musiktheorieunterricht; nebenher Orgeldienste in Kirchengemeinden und kammermusikalisches Ensemblespiel mit Gleichaltrigen und Gleichgesinnten, auch öffentlich. Konzertbesuche vieler Genres in Fülle …

Wegen einer Augenerkrankung und dann nicht mehr hinreichender Sehschärfe musste ich den Kleine-Jungen-Traum austräumen. Heute bin ich froh drum. Es war auch die Zeit, da die Dampflokomotiven ausstarben und die Technisierung durch Diesel- und E-Loks die Seele dieses Berufes auszuhöhlen begann. Doch nicht ganz: in meiner „zweiten Heimat“, dem Harz, dort wo mich als kleiner Junge bei meinen Großeltern in der Nähe der Kleinbahn deren Musik, ihr Stampfen, Schnaufen, Pfeifen, Rollen, Grollen, Quietschen, bis in den Schlaf hinein berührte, gönnte ich mir zum 40. Geburtstag einen Lokführerlehrgang auf der Harzquerbahn. Seither darf ich mich „Ehrenlokführer“ nennen und in Begleitung „richtiger“ Kollegen Kleinbahn-Dampfrösser fahren …

Erststudium Kirchenmusik ab 1978, seither ohne Unterbrechung, jedoch in unterschiedlichen Bereichen tätig: ganz „normal“ als Organist und Chorleiter in Kirchengemeinden, als Dozent für liturgisches Orgelspiel und Improvisation, in Projekten, Konzerten … - und immer wieder auch bei viel Interesse mit geistig und/oder körperlich gehandicapten oder erkrankten Menschen auf Freizeiten und in diakonischen Einrichtungen. Hier erfuhr ich in und mit Musikalischem gute Resonanz und besonders innige Lebensfreude … - ab 1989 dann der Wunsch mich verstärkt mit dem „Warum“ zu beschäftigen, gleichzeitig Grenzöffnung und dadurch Möglichkeit für mein

Zweitstudium Musiktherapie ab 1991, staatl. Diplom 1994 (Universität der Künste, Berlin). Beschäftigung mit kommunikativen, neurologischen, psychologischen, ethnischen Grundlagen von Musik und Rezeptionsmodellen, theoretisch, praktisch – auch in Selbsterfahrung und Supervision. Eine neue Welt tat sich für mich auf und berührte mein Herz durch eine Vielzahl neuer und mir unbekannter Instrumente, Klangerfahrungen und Spielmöglichkeiten. Selbstbau mehrerer Monochorde, sinnliche Erfahrung des Wandels von rohem Holz in ästhetische, kunsthandwerklich gestaltete Klangkörper.

Die wilden Neunziger brachten zunächst 2 Jahre handwerkliche, menschliche, restauratorische, intonatorisch-klangliche Erfahrungen in einer kleinen Orgelbaufirma. Als ABeeMmer restaurierte ich anschließend eine kleine, historische Friese-III-Dorf-Orgel  in meiner damaligen Kirchengemeinde weitgehend selbständig.

Musiktherapeutische Anstellungen ab 1998 in einer neurologischen Rehabilitationsklinik (Schwerpunkt Wachkoma und Frührehabilitation) und in einem Pflegebereich mit schwer und schwerst an Demenz erkrankten Menschen. Täglich verdichtete Herausforderung in der Spannung zwischen wunderbaren, beflügelnden Begegnungen … - aber auch großem, niederschmetterndem Schmerz mit vielen, vielen Tränen …

 

Auf der Suche nach dem Klang hinter dem Be-Greifbaren:

Die Musik beginnt da, wo das Wort unfähig ist, auszudrücken. Musik wird für das Unaussprechliche geschaffen. (nach Claude Debussy)

Wie Begriffe finden für das, was mit Worten nicht mehr fassbar ist? Es hat mit Wandlung zu tun, mit Transzendenz, mit Seele, mit ewigem Strömen … sich einlassen auf die Chance eines Erlebens dessen … - wir wissen!

Natürlich: Materialien lassen sich formen, Instrumente „begreifen“, Schwingungen physikalisch messen und in Zahlen und Diagrammen darstellen, Musik und Klänge phänomenologisch erklären, diskutieren und zwischen Buchdeckel klemmen, auf Schallplatten und CD’s konservieren. Ja, das ist so! Wir Menschen haben uns auch dafür Quantifizierbares ausgedacht. Gut so!

Und nun? Wir geben uns immer noch nicht zufrieden … also gehen wir auf die Suche:

Singen wir einen gregorianischen Choral in einer romanischen Klosterkirche oder einer Felsenschlucht!

Hören wir ein Liebeslied auf einer Pflegestation oder ein Wiegenlied im Kindergarten!

Schlagen wir einen Gong auf dem Gipfel eines Hügels!
Reiben wir eine Klangschale auf unserem Handrücken!
Berühren wir die Saiten einer Kantele mit unseren Fingerkuppen oder das Mundstück einer Flöte mit unseren Lippen!
Fühlen wir die durchklingende, durchschwingende, durchströmende Kraft einer Monochordes neben, über oder unter uns ...
Spüren wir unseren Atem und unseren Herzschlag und unsere Kraft …
Lassen wir uns ein auf die Chance von Berührung … - und vielleicht auch Wandlung …